Streik-Gedanken und Gegengedanken

Ich bestreite meinen Lebensunterhalt mit einem Tariflohn der Industrie.

-„Jetzt streiken diese Lokführer schon wieder!“-

Genauso geht es natürlich hunderten meiner Kollegen, mit denen ich täglich zusammenarbeite.

-„Wissen die eigentlich garnicht, was das der deutschen Wirtschaft kostet?!“-

Somit hatten und haben Gewerkschaften und deren Arbeit einen entscheidenen Anteil an meinem und unserem Lebensunterhalt.

-„Die werden schon noch sehen was die davon haben!“-

Das Streikrecht garantiert diesen Gewerkschaften ein, wenn auch kleines, Druckmittel um sich in Verhandlungen, auch gegen Widerstände der Arbeitgeberseite, behaupten zu können.

-„Wenn wir hier streiken, steh ich aber nicht vorm Tor! Wenn einer der Chefs mich sieht habe ich Angst um meinen Job!“-

Alle diese Zitate stammen aus meinem direkten Kollegium, während der Streikphase der GDL, deren Ende vom Abschluss des Tarifeinheitsgesetzes begleitet wurde.

-„Das wars jetzt mit dem ewigen Gestreike, das haben sie nun davon!“-

Zusatzinformation: Keiner meiner hier zitierten Kollegen ist auf die Bahn, als Pendler, angewiesen.

Noch gestern höre ich auf dem Weg nach Hause im Radio eine Berichterstattung über den aktuellen Streik bei der Post. Hier einige Stimmen der dort befragten Passanten:

-„Die Übertreiben das, meiner Meinung nach mittlerweile ganz schön mit dem Streiken!“-

-„Das sind ja mittlerweile schon italienische Verhältnisse hier!“-

Ehrlich gesagt, machen mich solche Aussagen mittlerweile aggressiv, ich kann es einfach nicht mehr hören!

Wir Lohnarbeiter sitzen letztlich alle in einem Boot! Ein Gebot der Stunde ist es, sich genau das klar zu machen. Wenn Leute auf die Straße gehen, um für „faire“ Löhne zu kämpfen, dann unterstützt sie! Ein steigendes Lohnniveau nützt uns mittelfristig allen! Solidarität in der Masse der Lohnarbeiter, und das sind die Allermeisten von uns, ist der Schlüssel zu steigenden Löhnen, einer faireren Gesellschaft und schlussendlich zur Revolution des Systems. Stemmt euch gegen die Wirtschaftspropaganda aus Politik und Medien, denkt selbst, wiederholt nicht einfach den Wirtschaftsteil der „Bild“ oder des „Spiegel“.

Solidarisiert euch mit Menschen, nicht mit Zahlen!

 

 

 

 

 

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